BEWERBE
Wie jeder Kirchtag kannte auch das Gauder Fest berühmte
Wettbewerbe:
das „Kuhstechen“, den „Hahnenkampf“, das „Widderstoßen“,
mit denen die besten Weiderechte regelrecht erkämpft wurden.
Und das „Ranggeln“, das „Raufen“, das „Scheibenschießen“ und
das „Kegelscheiben“. Heute ist davon nur mehr das „Ranggeln“ übriggeblieben.
Die kräftigsten Burschen eines Dorfes kämpften um den
Titel des sogenannten „Mairaffar“, „Hoagmoar“ oder „Roblar“.
Ranggeln
Gauder
Dreikampf
Zillertaler
Zuchttierausstellung
Widderstoßen
Ranggeln
Dieser Wettkampf entwickelte sich mittlerweile zum
berühmtesten Ranggler-Wettbewerb des Alpenraums. Die historisch-gewachsene
Sportart um den Titel des „Gauder Hogmoar“ dürfte
aus dem wettkampfartigen „Hosenrecken“ oder „Hosenlupfen“ entstanden
sein.
Die jungen Burschen des Dorfes, auch „Mairraffar“, „Hagmair“ und „Roblar“ genannt,
kämpften mit vollem Einsatz – und lediglich mit Hemd
und Hose bekleidet – um den Sieg. Ursprünglich waren
auch keine „Weibs-Personen“ unter den Zuschauern geduldet,
da der Athlet im Kampf oft das Hemd verlor und nur noch im Beinkleid
dastand. Ein Sieg bedeutete Triumph und Prestige - nicht so sehr
in persönlicher Hinsicht als viel mehr für das eigene
Dorf, Tal und Land des Siegers; eine Niederlage hingegen eine Schmach
für die ganze Region. Die „Hagmair“ kamen auch
aus anderen Landesteilen oft tageweit angereist, um ihre Kraft
zur Schau zu stellen. Diese alte Tradition hat sich in Form des „Ranggelns“ bis
heute erhalten.
Regeln: gekämpft wird auf einer Wiese, bekleidet
mit Leinenhemden und Hosen
Kampfzeit: 6 min. Nach der Kampffreigabe wird versucht, den Gegner
aufs Kreuz zu werfen.
Sieger: liegt einer der Kämpfer mit beiden Schultern auf dem
Boden, ist der Kampf beendet.
Nicht erlaubt sind beim Ranggeln Würgetechniken und Gelenkhebel.
Gauder Dreikampf
„Beide Hakler fertig, zieht!“ lautet das Kommando am
Sonntag Nachmittag. Nach alter Tradition laden die Organisatoren
des Gauder Fests zum Gauder-Dreikampf, bei dem sich die Stärksten
im Fingerhakeln, Handumlegen und Hufeisenwerfen messen.
Mit dem Gauder-Dreikampf beleben die Organisatoren
diese traditionellen Kampfsportarten, die neben dem Ranggeln zu
den ältesten im
Alpenraum zählen, am Gauder Fest neu. So hat es das Fingerhakeln
am Zillertaler Gauder Fest bis ins Jahr 1950 noch als eigenen Bewerb
gegeben.
Kampfspiele wie das „Hufeisenwerfen“, „Fingerhakeln“ oder „Handumlegen“ gibt
es im Alpenraum schon seit Jahrhunderten. Sie wurden seinerzeit
zu sonntäglichem Vergnügen oder bei Kirch- und Markttagen
ausgetragen. Im Gegensatz zum „Raufen“ oder „Ringen“ eigneten
sich das „Handumlegen“ und „Fingerhakeln“ auch
fürs Wirtshaus.
Im Mittelpunkt stand neben der sprichwörtlichen „Schläue“ auch
immer die körperliche Kraft. Kraft und Ausdauer bestimmten
im vorindustriellen Maschinenzeitalter über den wirtschaftlichen
Erfolg in der Land- und Forstwirtschaft. Die Burschen und Männer
nutzten diese Umstände, um über Kraft und Geschicklichkeit
bei Kampfspielen ihren Rang im Dorfleben festzulegen.
Zillertaler Zuchttierausstellung
Zuchttierausstellungen waren in frühen Gauder
Zeiten fixer Programmpunkt und beliebte Fest-Attraktion. Durch
die günstige Verkehrslage von Zell (durch Zell führt
der Weg weiter ins Talinnere, sogar nach Südtirol und über
den Gerlospass ins benachbarte Salzburg) trafen sich an diesem
Verkehrsknotenpunkt früher die Bauern um mit Waren und Tieren
zu handeln, Erfahrungen auszutauschen und den „Zehent“ (kommt
aus der biblische Tradition, ein Zehntel des Einkommens Gott zu
opfern, indem es der Kirche übergeben wird) abzuliefern.
Bis heute wird die Tradition der Zuchttierausstellungen
weitergeführt, mit dem Unterschied, dass früher noch
das Kaufen, Tauschen oder Verkaufen im Mittelpunkt stand und
heute die Kürung von Prachtexemplaren der im Zillertal traditionellerweise
gehaltenen Rinder-, Pferde-, Schaf- und Ziegenrassen.
Widderstoßen
Zu den Höhepunkten des Gauder Fests zählte
lange Zeit das Widderstoßen, das der uralten Tradition der
europäischen und asiatischen Hirtenkultur entspringt. Es dürfte
damals der kulturhistorisch älteste Tier-Wettkampf am Gauder
Fest gewesen sein.
Das Widderstoßen unterliegt genauen Regeln
und Ritualen, die schon bei der Aufzucht beginnen: Die Jungtiere,
die später im Widderstoßen gegeneinander antreten, werden
nach einem bestimmten Nahrungsregime aufgezogen. Die Böcke
müssen zwischen vier und sechs Jahren alt sein: Unter vier
Jahren sind ihre Hörner für den Kampf noch zu weich.
Böcke mit mehr als sechs Jahren fügen sich aufgrund ihres
Gewichts zu große Verletzungen zu.
Am Tag des Widderstoßens führten die
beiden Züchter oder Besitzer ihre Böcke nach alter Tradition
auf den Kampfplatz. Von einer Distanzlinie in ein Meter Abstand
voneinander nehmen sie gegenseitig Aufstellung. Dann werden die
Tiere sich selbst überlassen. Im Gegensatz zum Kuhstechen
beginnen die Böcke normalerweise sehr schnell mit dem Kampf,
so wie sie dies auch in freier Natur tun. Entschieden ist der Kampf
in der Regel, wenn sich ein Tier abwendet. Der siegreiche Widder
erhält als Krönung ein Abzeichen oder einen „Buschen“.
Der Kampf der Widder entspricht übrigens dem normalen Revierverhalten
der Böcke, den man auch auf der freien Weide beobachten kann.
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